Anzeige

Coaching als 2. Standbein für Psychotherapeuten

Viele Psychotherapeuten ziehen es in Erwägung, ihre Praxisangebote durch Coaching zu erweitern, insbesondere wenn sie keinen eigenen Kassensitz haben. Welche Voraussetzungen braucht es dafür? Und was sind besondere Anforderungen im Coachingprozess? Anke Kaupp arbeitet als Diplom-Psychologin in freier Praxis und bietet bei der Deutschen Psychologen Akademie ein Seminar zu ‚Coaching als 2. Standbein’ an. Uns hat sie vorab schon mal einen Einblick in die Möglichkeiten und Herausforderungen gegeben.

Anke Kaupp ist Diplom-Psychologin mit dem Schwerpunkt kognitive Verhaltenstherapie. Sie arbeitet in freier Praxis und leitet das „Psychologische Institut“ in Stuttgart mit den Schwerpunkten Diagnostik, Therapie und Coaching. Ihr Hauptarbeitsfeld sind Menschen mit ADHS und Hochbegabte, die sie seit über 20 Jahren therapiert und coacht. Darüber hinaus ist sie Familien- und Wirtschaftsmediatorin sowie Dozentin an verschiedenen Ausbildungsinstituten. Welche Voraussetzungen man als Psychotherapeut mitbringen sollte, wenn man sein Praxisangebot in Richtung Coaching ausbauen möchte, verrät sie uns im Interview. Und sie hat eine Übung mitgebracht, die dir und deinem Klienten helfen kann, Überzeugungen aufzudecken und zu verändern, so dass andere Ergebnisse möglich werden.

Frau Kaupp, wieso kann es für Psychotherapeuten in eigener Praxis interessant sein, die Angebote in Richtung Coaching auszubauen?

Therapie hat den Anspruch, Menschen mit einer Störung zu begleiten und zu heilen, bzw. eine Verbesserung zu erzielen. Coaching hingegen arbeitet mit an sich „gesunden“ Menschen, die ein Ziel haben, das sie erreichen wollen. Im Coaching liegt der Fokus also darin, ressourcenorientiert mit Menschen daran zu arbeiten, dieses Ziel zu erreichen. Ich finde, dass es eine sehr gute Basis für eine Erweiterung des Angebots der Psychologen darstellt, beide Aspekte zu bedienen: die Verbesserung einer Störung und die Weiterentwicklung.

Welche Voraussetzungen sollten denn gegeben sein, damit Coaching als zweites Standbein gut gelingen kann?

Coaching setzt ein anderes Setting voraus als Therapie. Es geht darum, den Klienten dabei zu unterstützen, seinen Weg zu finden. Ich halte sozusagen die Taschenlampe, damit der Klient seine Karte lesen kann. Eine wichtige Voraussetzung ist daher, dass der Coach sich darauf einlassen will, nicht zu wissen, wo es mit dem Klienten lang geht, sondern sich auf den Prozess einzulassen. Dafür müssen aber auch die Selbstmanagementfähigkeiten des Klienten funktionieren. Bei Coachees handelt sich also nicht um Menschen mit Erkrankungen, denn die brauchen eine Form von Therapie.

Welche weiteren Unterschiede gibt es zwischen Coaching- und therapeutischen Gesprächen?

Coachinggespräche enthalten keine expliziten therapeutischen Tools. In aller Regel zielen sie darauf ab, die Denkweise des Klienten im Hinblick auf ein Lebens- oder Businessziel zu verändern, so dass das Ziel für den Klienten erreichbar wird. Coaching ist für schwierige psychische Themen sicherlich ungeeignet.

Gibt es Besonderheiten, die man als Psychotherapeut im Coaching beachten sollte?

Ich denke, die eigene Haltung muss für das Coaching sehr gründlich hinterfragt werden. Es geht eben gerade nicht um die Wiederherstellung von Gesundheit, sondern darum, dass der Coach sich in einer „neutralen“ Rolle mit der Zielerreichung des Klienten auseinandersetzt.

„Im kognitiven Coaching geht es darum, Überzeugungen aufzudecken und zu verändern, so dass andere Ergebnisse möglich werden.“

Können Sie dafür ein Beispiel geben?

Unser Denken steuert unser Verhalten und unser Verhalten führt zu bestimmten Ergebnissen. Wie arbeitet beispielsweise ein Chef, der denkt, dass Mitarbeiter einfach nicht seinen Ansprüchen gerecht werden? Genau – er wird wenig delegieren, es landet vieles wieder auf seinem Tisch, er macht viele Überstunden. Auf der Ergebnisebene ist ein Burnout ziemlich wahrscheinlich, weil er sich über die Maße einbringen wird. Im kognitiven Coaching geht es genau darum, nämlich diese Überzeugungen aufzudecken und zu verändern, so dass andere Ergebnisse möglich werden.

Die folgende Übung kannst du einsetzen, um mit deinem Klienten zu erarbeiten, was er ändern müsste, um andere Ergebnisse zu erhalten. Im Beispiel habe ich „Sport“ als Thema genommen, das ist aber beliebig austauschbar.

Anhang Größe
Übung-AnkeKaupp.pdf 85.02 KB

Inwieweit kann ich denn auch meine psychotherapeutische Expertise im Coaching einsetzen?

Im Coaching geht es zwar darum, die Ressourcen des Klienten zu aktivieren, oft genug fällt während des Coaching-Prozesses allerdings auf, dass der Klient z.B. Burnout-Symptome oder Ängste hat. Hier finde ich es sehr bereichernd, wenn ein Coach sowohl coacht als auch therapeutische Tools sozusagen als „Zugabe“ anbieten kann.

Macht Coaching als zweites Standbein nur im Erwachsenenbereich Sinn oder auch als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut?

Coaching macht in jedem Alter Sinn. Die Frage ist nur, was Sie unter „Coaching“ subsumieren, weil der Begriff in der Zwischenzeit sehr inflationär gebraucht wird. Nachhilfe, Umgang mit Autos, Fitness – alles fasst sich heute unter dem Begriff „Coaching“ zusammen. Was es auf der anderen Seite aber auch einfacher macht, denn einem Klienten fällt es dadurch oft leichter über Coaching zu reden, als es bei einer Therapie der Fall sein mag.

Überlegst du, dein Praxisangebot mit Coaching zu erweitern und möchtest mehr darüber erfahren? Dann empfehlen wir dir das Seminar mit Anke Kaupp bei der Deutschen Psychologen Akademie, das am 27. September in Stuttgart stattfindet.

Ausführliche Informationen zu den Inhalten des anwendungsorientierten Tagesseminars findest du auch auf der Homepage der Deutschen Psychologen Akademie, wo du dich auch direkt anmelden kannst.