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Wie dir Karten in der Therapie mit schwierigen Kindern und Jugendlichen helfen

Kreative Techniken für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (Foto: Beltz)

 

Kennst du das auch: Du weißt nicht, wie du einen Anfang finden kannst, weil dein Patient entweder alles "blöd" oder langweilig findet oder sogar gar nichts sagt.

Weil ich selbst immer wieder in meiner eigenen Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in dieser Situation war, habe ich mir ein breites Repertoire an ganz unterschiedlichen Interventionen angeeignet, um in jeder Situation etwas „aus dem Hut“ zaubern zu können.

Diese therapeutische Schatzkiste fanden meine Fachkollegen und Ausbildungskandidaten so gut, dass wir sie als Kartenset beim Beltz Verlag veröffentlicht haben.

Egal, ob du im Beziehungsaufbau oder in der diagnostischen Phase steckst, deinen Patienten motivieren willst oder einfach einen Kick für deine therapeutische Arbeit suchst: Für alle Therapiephasen gibt es mindestens eine passende Karte, mit der du garantiert auch deine allerschwierigsten Patienten „hinter‘m Ofen herlockst“.

Wie du die Karten einsetzen kannst

Die Therapiekarten sind eine Zusammenstellung ganz verschiedener Techniken, die sich in der Praxis bewährt haben. Jede Karte folgt einem logischen Aufbau, bei dem du direkt siehst, worum es geht und welche Materialien du benötigst. Die Fotos auf der Vorderseite und die Beschreibung auf der Rückseite erleichtern dir die mühelose Umsetzung. Du kannst auch deinen Patienten mithelfen lassen: Er wählt aus den Fotos etwas aus, was ihm gefällt oder was er gerne machen würde.

Im Booklet findest du zusätzlich einen kurzen Überblick: Was nutze ich wann, wie, mit wem und warum? Außerdem gibt es jede Menge Tipps und Tricks, auch für schwierige Therapiesituationen.

Und dann erinnere ich mich noch an zwei Fälle, bei denen ich mithilfe kreativer Techniken erstaunliche Erfolge erzielen konnte.

Die Karte „Seil“schaften für einen klaren Überblick

Ein 13-jähriges Mädchen mit sehr ausgeprägter Störung des Sozialverhaltens erlebte immer wieder starke Ablehnung in sozialen Gruppen. Hier halfen die „Seil“schaften (Karte Nr. 28) für einen klareren Überblick. Wir setzten die „Seil“schaften immer wieder als Referenz und Orientierung über den ganzen Therapieverlauf ein.

Therapiekarte "Seil"schaften für einen klaren Überblick (Foto: Beltz)

Darum geht’s: Seile zur Visualisierung von Standpunkten zur Therapieunterstützung

Das brauchst du: Seile oder Taue, Steine, Objekte oder Figuren zur Positionsanzeige

So geht’s: Wenn du deinem Patienten verdeutlichen willst, weshalb manche Menschen eher auf einer „Wellenlänge“ zu sein scheinen als andere, dann bietet sich die Arbeit mit einem Seilkreuz und den daraus entstehenden Quadranten an.

Die in Gruppen häufig verwandten Dimensionen des Riemann-Thomann-Modells bieten sich hier an. Als Dimensionen bzw. Pole der beiden Seile gibt es einmal NäheDistanz und DauerWandel. Diese können auf Zettel geschrieben und zur besseren Verdeutlichung an die Seilenden gelegt werden. Lass deinen Patienten nun Objekte auswählen, mit denen er die einzelnen Personen (Familienmitglieder, Freunde, Klassenkameraden) darstellen möchte. Gib ihm ausreichend Zeit für das Stellen der Objekte. Der Vorteil dieser Seiltechnik ist, dass diese spielerische und ungezwungene lockere Abfrage bestimmter Koordinaten selbst vom Patienten vorgenommen und gewichtet werden kann.

In einem so großen Koordinatensystem kann sich dein Patient frei bewegen, einzelne Positionen einnehmen und gucken, wie es sich dort anfühlt bzw. wie die Entfernung zu einer anderen Position/Person ist, usw. Wenn du nur mit einem DIN-A4-Zettel arbeitest, hat dein Patient deutlich weniger Platz und die Entfernungen wirken sehr viel kleiner, als sie tatsächlich in der Realität sind. Schreib die Personen und deren Positionen auf oder mach ein Foto, so dass im Verlauf mögliche Änderungen sichtbar werden, verglichen und auch besprochen werden können.

 

Eine weitere „Seil-Nutzungs-Möglichkeit“: Grenzarbeit

Lass deinen Patienten ein Seil in dem für ihn passenden Abstand um sich herum im Kreis legen, sodass er sich darin wohl fühlt. Nun kannst du ausprobieren, ob dieser Abstand ausreicht. Wenn du dich genau an die Grenze stellst, benötigt dein Patient mehr Platz. Probiere aus, ob es sich für deinen Patienten besser anfühlt, wenn der Radius des Seils etwas größer ist. Fragen könnten sein: „Wer kommt mir zu nahe?“, „Weshalb lasse ich das zu?“, „Wie kann ich das ändern?“ usw.

Die Karte „Raus damit!“ zur Externalisierung

Ein 17-jähriger Junge mit Fluchterfahrung konnte sich über eine Externalisierungsübung (Karte 66: „Raus damit!“) von seinem über Tausende von Kilometern „mitgeschleppten Ballast“ befreien.

Darum geht’s: Rituale zum Abschied, zur Versöhnung usw.

Das brauchst du: Je nach Technik: (Gas-)Luftballon, „Kriegsbeil“, „Friedenspfeife“, Kerze, Boot, Holz oder Bastelutensilien, wie z.B. Pappe, Papier, Stifte usw.

So geht’s: Vielen Patienten fällt es schwer, ihr Problem „loszulassen“. Hilf deinem Patienten mit kreativen Möglichkeiten, eine Trennung zwischen sich und den ihn bedrückenden Dingen herzustellen. Gerade bei kleineren Kindern kommen solche kreativen Methoden sehr gut an, aber auch Ältere können häufig von einem Externalisierungsritual profitieren. Wandel je nach Alter ab oder um, lass hierbei dein therapeutisches Gespür entscheiden und überlege gemeinsam mit deinem Patienten. Meist haben Patienten selbst die schönsten Ideen - lass dich überraschen.

„Vom Winde verweht“: Lass deinen Patienten sein Problem/seine Wünsche/seine Versprechen/Grüße … auf einen Zettel schreiben, den er dann mit einem Gasluftballon zum Himmel schicken kann.

Zusätzlich findest du auf dieser Karte weitere acht ganz unterschiedliche kreative Externalisierungstechniken.

Du siehst, dass das Kartenset dir und deinen Patienten neue Wege eröffnen kann, die du mit Gesprächen allein nicht hättest gehen können.

Wenn dir noch weitere kreative Ideen für die therapeutische Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und gerne auch Erwachsenen einfallen, kannst du mir diese gerne per E-Mail oder Facebook schicken. Dann erfahren viele unserer Kollegen davon und wir können gemeinsam möglichst vielen Kindern und Jugendlichen helfen.