Die Fünf Säulen für ein ausgewogenes (Berufs-)Leben

Hinter einem ausgefüllten Berufsleben steht mehr als nur „work“ und „balance“. Welche fünf Anteile dir helfen können, zufriedener und ausgewogener zu sein und von einem beruflichen Kurzfrist-Sprinter zum Marathonläufer zu werden.

 

Zeit ist eine der gerechtesten Dinge auf dieser Welt: dein Tag hat 24 Stunden, jede Stunde hat 60 Minuten, jede Minute hat 60 Sekunden. Und das ist für jeden Menschen gleich. Die Frage ist nur, wozu du sie nutzt, denn du hast nur die Zeit, die du dir auch nimmst. Wie gelingt es dir, ein für dich passendes und zufriedenstellendes Leben zu führen?

Work-Life-Balance

Unter Work-Life-Balance verstehen heute viele Menschen die ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Das Ziel ist, einen Gleichgewichtszustand zwischen Privatleben und Arbeit zu erreichen und aufrechtzuerhalten.

Ein Leben mit einer Work-Life-Balance ist möglich – auch in unseren turbulenten Zeiten. Ganz abgesehen davon, dass man besser von „Life-Work-Balance“ sprechen sollte (schließlich sollte das Leben vor der Arbeit stehen), ist es sinnvoll, nicht nur die beiden Seiten Arbeit (work) und Leben (life) gegenüberzustellen, sondern auch andere Aspekte des Lebens miteinzubeziehen.

Die Fünf Säulen

Die gesunde Identität einer Person ruht nicht nur auf zwei, sondern auf fünf Säulen. Gerade dann, wenn du langfristig erfolgreich arbeiten willst, kommst du nicht umhin, dich mit diesen unterschiedlichen Anteilen zu beschäftigen. Diese fünf Säulen wollen wahrgenommen, beachtet und gepflegt werden, wenn daraus eine gesunde Identität und ein langfristig befriedigendes Berufsleben werden soll. Im Folgenden stelle ich dir diese fünf Säulen vor und stelle dir einige Fragen, die dir helfen können, diese Anteile für dich zu reflektieren.

Erste Säule: Arbeit, Leistung, Zeitstruktur

Bei der ersten Säule geht es darum, den eigenen Berufsalltag genauer in den Blick zu nehmen und eine Ist-Soll-Analyse anzufertigen. Das ist gerade in der Gründungsphase einer Praxis wichtig. Auch wenn dies eine stressige Zeit ist, solltest du darauf achten, in Balance zu bleiben: dich zwar zu fordern, aber nicht zu überfordern. Wie sieht deine berufliche Situation aus und wie hättest du sie gern in den nächsten Jahren? Generell: Welche Ziele hast du für dich und deine Arbeit aktuell und für die nächsten Jahre gesetzt? Welche Dinge bei deiner derzeitigen Tätigkeit machen dich zufrieden? Was könnte dich zufriedener und damit vielleicht auch leistungsfähiger machen?

Zweite Säule: Partnerschaft und Familie

Partnerschaft und Familie sind „Wiederaufbereitungsanlagen“ – aber sie sind (hoffentlich) mehr als das. Bei dieser Säule geht es um folgende Fragen: Bist du mit der aktuellen Situation in deiner Beziehung/Ehe zufrieden oder möchtest du etwas verändern? Wie viel Zeit wendest du überhaupt für Partnerschaft/Familie auf? Und ist das genug?

Dritte Säule: Körper, Gesundheit, Gefühle

Bei dieser Säule geht es um die Beziehung zum eigenen Körper. Benutzt du ihn nur als „Leistungsmaschine“, die zu funktionieren hat, und sonst nichts? Was sind deine körperlichen Stärken und Schwächen? Wie gehst du mit Stress um? Was tust du für und was gegen deinen Körper? Was für Alarmzeichen signalisiert er dir (z. B. Krankheiten)? Wie kannst du dich am besten entspannen? Nimmst du deine Gefühle wahr und ernst? Kannst du sie angemessen ausdrücken – oder verleugnest/blockierst du sie so, dass sie dir irgendwann einen Strich durch die Rechnung machen?

Vierte Säule: Freundeskreis, gesellschaftliches Engagement

Wie viele Leute kennst du? Wie viele davon bezeichnest du als Bekannte und wie viele als Freunde, auf die du dich wirklich verlassen kannst? Gibt es ausreichende Kontakte, die nichts mit der Arbeit zu tun haben? Was gewinnst du aus deinen sozialen Beziehungen und was wünschst du dir für die Zukunft? Für was engagierst du dich gesellschaftlich oder wo möchtest du dich gerne engagieren?

Fünfte Säule: Sinnsystem (Philosophie, Religion)

Die letzte Säule steht für deine Werte und Ideale, also für das, woran du wirklich glaubst, was wirklich wichtig für dich ist. Das kann ein selbst gebautes oder auch übernommenes Wertesystem sein, ein Weltbild, eine Religion, ein philosophisches System. Insgesamt: Welchen Sinn siehst du in deinem Leben – welchen Sinn gibst du ihm?

Vom Kurzfrist-Sprinter zum Marathonläufer

Ideal ist es natürlich, wenn alle fünf Säulen stabil sind. Es ist im Grunde wie bei einem Bürostuhl: Früher hatten die Schreibtischroller drei oder vier Beine und konnten noch leicht umgekippt werden. Heute haben die Bürostühle fünf Beine, und es bedarf schon einer ziemlichen Anstrengung, sie zu Fall zu bringen.

Wenn du trotz der beruflichen Anspannung diese fünf Säulen im Blick behältst und etwas zur Stabilisierung unternimmst, sind das nicht nur „Psychospielchen“, sondern du tust etwas für deine persönliche Entwicklung und bindest sie in deine langfristige Lebensplanung ein. Du teilst deine Kräfte ein und entwickelst dich vom „Kurzfrist-Sprinter zum Marathonläufer“.

Und da deine berufliche Entwicklung (hoffentlich zumindest) keine Eintagsfliege ist, ist es gut, wenn du dich in den langen Distanzen übst und durch die Stabilisierung deiner fünf Säulen sowohl Durststrecken als auch schwierige Situationen durchstehst.

Aus: WERNER GROSS , ERFOLGREICH SELBSTSTÄNDIG – GRÜNDUNG UND FÜHRUNG EINER PSYCHOLOGISCHEN PRAXIS, veröffentlicht 2016, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, reproduziert mit der Erlaubnis von SNCSC.

 

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