Zeit zum Innehalten und Reflektieren – dein Jahresrückblick

Das alte Jahr ist fast vorbei und das neue steht kurz bevor. Die beste Zeit für eine Bestandsaufnahme und einen Moment der Reflektion – findest du nicht auch? Unsere Autorin Ulrike Duke lädt dich in ihrem Artikel ein, innezuhalten und zu schauen, wie das vergangene Jahr für dich beruflich und privat war. Was könnte das neue für dich bereithalten? Tipps und inspirierenden Fragen für ein schönes und erfolgreiches 2019.

 

Mit großen Schritten näheren wir uns dem Ende des Jahres. Irgendwie scheint jedes Jahr schneller vorbeizugehen als das letzte – findest du nicht auch? Da verliert man schnell mal den Überblick.

Ich arbeite als Psychologin in einer Rehaklinik und bin freiberuflich tätig. Von mir und meinen Kollegen weiß ich, dass wir uns schnell im Engagement mit Klienten verausgaben können (manchmal, ohne es in dem Moment zu bemerken) und dass es leichter ist, den anderen von Selbstfürsorge zu erzählen, als sich selbst. Es ist auch leichter, die Fortschritte der anderen zu bestaunen, als sie bei sich selbst zu sehen.

Deshalb finde ich es besonders wichtig, dass auch wir in den sogenannten “helfenden Berufen” uns immer wieder die Zeit nehmen, um mal wieder eine Bestandsaufnahme zu machen. Mit diesem Artikel möchte ich dich daher einladen, einmal innezuhalten und zu schauen, wie das vergangene Jahr für dich beruflich und privat war und was das nächste Jahr für dich bereit halten könnte. 

Ich werde ein bisschen von meiner eigenen Bestandsaufnahme erzählen und dir Anregungen geben, wie deine aussehen könnte. Dabei wünsche ich dir viel Spaß und Klarheit.

Rahmenbedingungen für den Jahresrückblick 

Bevor du konkret mit deinem Jahresrückblick beginnen kannst, schaffe die richtigen Rahmenbedingungen.

1. Die Zeit

Auch wenn du das Gefühl hast, die Zeit entfleucht dir, nimm dir die Zeit für deinen Jahresüberblick. Vielleicht kennst und nutzt du in deiner Praxis die Geschichte von der Axt, die sein Besitzer nicht schärfen möchte, weil er ja keine Zeit hat, schließlich müsse er Holz hacken. So ein bisschen ist es mit dem Jahresüberblick: Er hilft dir, deine Axt für die Zukunft zu schärfen und eine Evaluation deiner aktuellen Strategien vorzunehmen, damit du siehst, was gerade gut funktioniert und was nicht.

2. Die Ehrlichkeit

Ja, die Ehrlichkeit. In der Therapie oder im Coaching ist es ein Leichtes den Klienten zu sagen, sie sollen mal einen ganz ehrlichen Blick auf ihr Leben werfen. Aber wie ehrlich ist unser Blick? Es ist wichtig, ehrlich hinzusehen, um die richtigen Schlüsse zu machen. Wie steht es wirklich um deine Gesundheit? Um deine Psychohygiene und um deine eigene Beziehung?

3. Die Nachsicht

Wir wissen es: Mit anderen nachsichtig sein, ist immer einfacher als mit sich selbst. Wenn die anderen es nicht so hinbekommen, wie sie es gerne möchten, sprechen wir ihnen gut zu: sie könnten in Augenschein nehmen, was funktioniert und sich sagen, was sie alles geschafft haben. Und das, was sie nicht hinbekommen haben, könnten sie noch einmal liebevoll in Angriff nehmen. Machen wir das auch? 

Wenn wir in unserer Jahresevaluation sehen, welche Bemühungen, welche Projekte vielleicht nicht so gefruchtet haben, tut es natürlich weh. Es tut weh, wenn ich merke, dass ich in das ein oder andere Projekt sehr viel Zeit und Liebe gesteckt habe, und merken muss, dass die Ernte ausbleibt. Aber es ist gut, es ehrlich zu sehen und dann nachsichtig zu sagen: „Du hast es probiert! Ich finde, du hast es gut gemacht, aber vielleicht gibt es einen Weg, der dich mit weniger Energie wirklich an dein Ziel führt? Lass uns schauen, wie wir ihn finden können!”.

4. Veränderte Gefühle in der Rückschau

Du weißt selbst, wie wir Menschen zum Katastrophisieren neigen können. Und gleichzeitig können wir selbst auch dafür sorgen, dass unsere zukünftigen Katastrophenszenarien weniger extrem ausfallen. Eine Möglichkeit dahin zu kommen ist, unserem Gehirn zu zeigen, dass es im Nachhinein echt nicht so schlimm war. Wenn ich also heute auf die Katastrophen von gestern zurückblicke und vielleicht sogar ein bisschen darüber schmunzle, lernt mein Gehirn, die nächste ähnliche Situation als weniger bedrohlich wahrzunehmen. Das führt natürlich zu immer weniger Stress und Drama in unserem Leben.

Der Jahresüberblick

Der Jahresrückblick ist eine Einladung, noch einmal einen Blick auf das vergangene Jahr zu werfen und es gewissermaßen zu verdauen. Das, was du daraus mitnehmen möchtest, was gut und hilfreich für dich ist, speichere in dir. Und das, was du loslassen möchtest, lasse los. Schau, was du gerne verändern möchtest. Sei dir gewiss, dass das Leben immer ein Lernprozess ist und wir immer die Kreativität besitzen uns einen Millimeter weiter zu bewegen. Dorthin, wo es uns gut tut.

Ziehe dich für diese Übung an einen ruhigen Ort zurück. Nimm genügend Papier mit. Gehe in dich und beantworte die folgenden Fragen:

Im Beruf:

  • Gibt es Situationen, in denen ich im letzten Jahr über meine Grenzen gegangen bin?
  • Warum war das so?
  • Wie kann ich im nächsten Jahr noch besser auf mich achten?
  • Welche Klientengeschichten sind vom letzten Jahr noch an mir hängengeblieben?
  • Wie kann ich mich von ihnen symbolisch lösen? Was wäre da ein gutes Ritual?
  • Was für neue Strategien habe ich beruflich ausprobiert?
  • Wie erfolgreich waren meine Strategien und muss ich für nächstes Jahr etwas anpassen?
  • Was hat letztes Jahr gut geklappt (und was vielleicht besser als vorher)?
  • Was hat mir Spaß gemacht?
  • Was war für mich der schönste Moment im letzten Jahr in beruflicher Hinsicht?
  • Wo möchte ich mich im nächsten Jahr noch beruflich entwickeln? Was steht an?
  • Und was brauche ich dafür?

Zu Hause:

  • Gab es im letzten Jahr privat etwas zu verdauen?
  • Habe ich es schon verdaut? Wenn nicht, wie könnte ich mir den Prozess erleichtern?
  • Was hat letztes Jahr im privaten Bereich gut geklappt (und was vielleicht besser als vorher)?
  • Was hat mir Spaß gemacht?
  • Was war für mich der schönste Moment im letzten Jahr in privater Hinsicht?
  • Wie steht es um meine Gesundheit?
  • Wie steht es um meine privaten Beziehungen?
  • Wie steht es um die Liebe?
  • Wo muss ich noch etwas und was möchte ich für das nächste Jahr angehen/ändern?

Work-Life-Balance:

  • Bin ich mit meiner Work-Life-Balance aktuell zufrieden?
  • Wenn nicht, was könnte ich noch verbessern?

Das sind die Fragen, die ich mir gerne stelle. Fühle dich frei, deinen eigenen Jahresrückblick so anzupassen, dass er für dich und dein Leben passend ist.

Ich wünsche Dir viel Spaß dabei und viel Freude, Leichtigkeit und Erfolg im neuen Jahr.

Mehr bei psylife

Burnout vorbeugen (1-3), Artikelserie von Michael E. Harrer Weiterlesen

Fünf-Elemente-Zirkel der Achtsamkeit, Artikelserie von Axel Ammann Weiterlesen

Die Fünf Säulen für ein ausgewogenes (Berufs-)Leben Weiterlesen