Was tun, wenn die Freiheit der Selbständigkeit in Haltlosigkeit kippt? - 5 Impulse für mehr innere Sicherheit

Die Selbstständigkeit ist manchmal ein auf und ab. Sie bietet viele Freiheiten, ist aber auch immer wieder mit Unsicherheiten verbunden. Wie du inneres Vertrauen aufbauen kannst, um langfristig gesund und zufrieden zu sein.

 

Letztes Jahr habe ich den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Ich habe lange gebraucht bis ich mich getraut habe. Aber wenn diese Idee nicht nur im Kopf sitzt, sondern auch im Herzen und man damit eine Vision ins Leben bringen möchte, dann meldet sich da eine innere Stimme immer wieder, bis man ihr zuhört.

Als ich klar in meiner Entscheidung war, mich selbständig zu machen, kamen die Aussagen und Meinungen von außen: „Bist du dir sicher, dass du das alleine schaffst?“ Mit den Äußerungen anderer wurden innere Bilder und Gedanken angestoßen, mit denen ich innerlich viel gekämpft habe: „Bin ich zu naiv? Vielleicht haben sie recht und ich schaffe das alleine nicht?“

Ganz leicht können wir uns verstricken in einem Wirrwarr aus Ängsten, Sorgen und Unsicherheiten. Und diese Unsicherheiten können sich immer wieder zeigen, selbst wenn man schon länger selbstständig arbeitet.

Selbständigkeit = Mut gepaart mit Zweifel

Es gibt viele Affen, die dir auf der Schulter sitzen können, und z.B. die Statements oder Fragen der Anderen mantramäßig wiederholen. Oft erzählen sie dir, du wärst nicht gut genug. Dann kommen Zweifel, Sorgen und Ängste auf. Du bist dir plötzlich gar nicht mehr sicher, ob das wirklich der richtige Weg ist.

Ich bin in solchen Phasen sehr verletzlich. Da sind die Zweifel, dass man nicht genügend Klienten bekommt oder die gesteckten Ziele und Zahlen nicht schafft – kurzum: man hat Angst zu scheitern.

Selbstständigkeit als Entwicklungsprozess

Meine eigene Perspektive auf Zweifel, Unsicherheiten und Ängste hat sich mit der Zeit verändert. Heute bin dankbar für diese Momente – denn sie haben mir viel über mich selbst beigebracht, aber auch über Veränderungs- und Entwicklungsprozesse allgemein. Unsicherheiten lassen mich meinen Fokus hinterfragen: Was ist gerade in diesem Moment wichtig? Die Auseinandersetzung damit bringt am Ende sowohl mir als auch meinen Klienten einen großen Mehrwert.

Aushalten statt Dauer-Aktionismus

Wie in allen Entwicklungsprozessen gibt es keine Schnellschuss-Lösung. Aushalten ist das Zauberwort – auch in punkto Selbständigkeit. Natürlich solltest du aktiv sein, z.B. Marketing machen oder Netzwerkveranstaltungen besuchen. Doch das sollte nicht alles sein. Aktiv sein und „rödeln“ kann die Angst noch mehr schüren. Dann entstehen Teufelskreise. Du bleibst vielleicht auf einem Level an Aktivität und schaffst es nicht mehr, zur Ruhe zu kommen. Denn wenn du Ruhe hast, werden die inneren Stimmen und Zweifel lauter. Die Strategie „Betriebsam bleiben“ ist tatsächlich weit verbreitet unter Selbständigen. Doch was passieren kann, wenn wir auf Dauer in Aktion bleiben und nicht mehr zur Ruhe kommen, wissen wir bereits.

5 Impulse für innere Sicherheit als Selbständige

Gesunde Selbständigkeit lebt von innerer Sicherheit, Vertrauen, Flexibiliät und eigener Kraft. Diese Komponenten zu entwickeln und aufrecht zu erhalten sollte unser persönliches Ziel als Selbständige sein, denn nur dann können wir auch kraftvoll Klienten und Patienten in ihren Entwicklungen begleiten. Fünf Impulse, die mir im Entwicklungsprozess geholfen haben, erfährst du hier:

1. Sich selbst führen

Übe mit dir alleine und in der Ruhe zu sein, z.B. über Achtsamkeitsübungen oder Meditation. Denn dann hörst du, was wirklich in dir vorgeht. So kannst du erkennen, was dir Angst bereitet oder was welche Gefühle und Handlungsimpulse in dir auslöst. Dadurch entwickelst du sogenannte Selbstführungsmechanismen: du lässt dich weniger von außen leiten, sondern wirst sicherer darin, auf dich selbst zu hören.

2. Erfolge würdigen

Wir alle tendieren dazu, Erfolge nicht genug zu würdigen. Oft gehen wir einfach darüber hinweg und suchen uns direkt ein neues Ziel. Dabei geht aber soviel verloren und du befindest dich immer in einer Verfassung, des „Nicht-Genug-Seins“. Lerne den Moment und Erfolge zu würdigen, für das, was sie sind: ein Erfolg und ein Moment, in dem du entspannen kannst, weil du erreicht hast, was du dir vorgenommen hast. Dazu gehört, sich Erfolge bewusst vor Augen zu führen, sie aufzuschreiben oder anderen davon zu erzählen. Natürlich solltest du dich auch für Erfolge belohnen. Wie könnte eine solche Belohnung für dich aussehen?

 3. Dich selbst stärken

In unserem Beruf sind wir großartig darin, andere zu stärken und zu unterstützen. Wir sind Helfer und sehr viel für andere da. Dabei ist es so wichtig, dass wir uns selbst nicht verlieren. Viele von uns tendieren leider dazu. Doch wie können wir andere wirksam begleiten, wenn wir nicht in unserer Kraft sind? Es ist essentiell, dass du auch auf dich achtest und Zeit einbaust, um aufzutanken. Dazu gehört es auch, nein zu sagen. Du bist selbständig und lebst in Eigenverantwortung, d.h. achtsam mit deiner eigenen Zeit und deinen eigenen Ressourcen umzugehen, ist unumgänglich, um mit dir in Balance zu bleiben. Überlege dir z.B. feste Zeiten, zu denen du Feierabend machen möchtest; aber auch, was dir dann gut tun würde: eine Verabredung? Sport? Oder ein Abend allein für dich mit einem Krimi?

 4. Zweifel und Ängste anerkennen  

Ängste und Zweifel wollen wahrgenommen und gesehen werden, sonst würden sie sich nicht zeigen. Oft agieren sie als unsere Schutzmechanismen. Das heißt aber nicht, dass wir ihnen immer nachgeben müssen. Entwicklung entsteht besonders dann, wenn wir anfangen, Situationen anders zu lösen als bisher. Etwas anders zu machen heißt, dass du dich traust, Ängste und Zweifel auch mal zu übersehen. Dies gibt uns die Chance, zu erkennen, welche neuen Impulse hinter der Angst stecken. Meist wartet da nämlich schon eine neue Facette von uns selbst, die sich Raum zum Wachsen wünscht.

 5. Loslassen üben

Ein so wichtiger, aber so schwieriger Schritt im Umgang mit der eigenen Selbständigkeit: wir müssen lernen, dass wir nicht alles in der Hand haben und kontrollieren können. Wie gerne würden wir schon wissen, wie das nächste halbe Jahr mit Klienten gefüllt ist; ob wir das verdienen, was wir uns vorgenommen haben – kurzum: ob sich unsere Mühe am Ende lohnt. Die Realität ist: wir wissen es nicht. Deswegen ist es essentiell, dich im Loslassen zu üben und Vertrauen zu haben, in das was kommt.

Schlussgedanken

Wie der Weg, den wir unseren Klienten und Patienten eröffnen, so führt auch unser Weg als Selbständige zur Stärkung der eigenen Stabilität und Kraft. Unsichere Phasen können dich dann nicht mehr übermannen und wir können die Freiheit unserer Selbständigkeit genießen.

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