Bücherschreiben ist (auch nur) ein Handwerk

Schreiben ist ein kreatives Handwerk. Wenn du dir also vorgenommen hast, ein Buch zu schreiben, gibt es da einiges zu beherzigen. Von Spannungsbögen über Zeitplanung, Gliederung und Füllwörter ... Wie du dabei ruhig bleiben und Schritt für Schritt vorgehen kannst, erklärt dir unser Autor Jörg Schmidt. Er arbeitet u.a. als Lektor, coacht Autoren und kennt die Angst vorm weißen Blatt aus eigener Erfahrung. 

Du hast dich dazu entschlossen, endlich das aufzuschreiben, was du schon lange allen mitteilen willst. Du hast deine Ideen gesammelt, den Markt analysiert, ein wenig zum Thema recherchiert und eine grobe Gliederung verfasst. Du hast wahrscheinlich ein tolles Exposé und ein paar Probeseiten geschrieben – und wenn alles gut lief, einen Vertrag bei dem Verlag deiner Wahl unterschrieben. Und nun? Keine Panik!

Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, an dem ich vor meinem ersten unterschriebenen Vertrag saß und den Abgabetermin anstarrte. Was hatte ich bloß getan? In zwölf Monaten sollte ich mein Manuskript abliefern: Umfang 230 Seiten. Wie sollte ich das bloß schaffen – neben all der anderen Arbeit, meiner Familie und und und…? Aber keine Angst, es ist machbar und kein Hexenwerk. Denn Bücherschreiben ist ein kreatives Handwerk – mit Betonung auf Handwerk. Und ganz ehrlich, das Arbeiten am Manuskript besteht vor allem aus Fleiß, erst danach folgt das Kreative. Damit dein Manuskript auch pünktlich im Verlag eintreffen wird – oder wenn du es selbst verlegen willst, produziert wird und erscheint –, solltest du beim Schreiben folgende Punkte beherzigen. Bitte beachte bei allem die wichtigste Regel: Werde nicht hektisch und überaktiv, plane in Ruhe und gehe Schritt für Schritt vor.

Fest im Blick – Zielgruppe und Genre

Bevor du anfängst zu konzipieren, zu gliedern, zu schreiben, mach dir nochmals deine Zielgruppe klar. Für wen schreibst du? Sind es Experten oder Laien, schreibst du für Studierende oder Ratsuchende? Tipp: Skizziere ganz konkret die „Person“, für die du schreibst. Was interessiert sie – was findet sie spannend? Und was nicht? Was sind deren Vorkenntnisse? Welche Sprache kannst du voraussetzen? Wenn du dir dies immer vor Augen hältst, weißt du sofort, welche Fachbegriffe du verwenden kannst, wie du sie einsetzen kannst und was du vielleicht anders erläutern oder erzählen musst und womit du sie langweilen würdest. Bitte schreibe diese Skizze deiner Leser so konkret wie möglich auf, bevor du zum nächsten Schritt gehst, dem Ausarbeiten deiner Gliederung.

Achtung: Bist du dir ganz sicher, was für eine Art Buch du schreiben möchtest? Hattest du vielleicht im Exposé noch ein wenig hin und hergeschwankt? Soll es ein Sachbuch oder doch ein Ratgeber werden? Willst du anleiten oder informieren? Oder richtest du dich „nur“ mit einem Fachbuch an deine Kollegen? Nun ist es Zeit, den „Sack zu zumachen“ und dich zu entscheiden! Ein Blick auf die Skizze deiner fiktiven Leser wird dir auch dabei helfen.

Mehr als ein Gerüst – die Gliederung

Nun ist es Zeit, dass du dir deine schon entworfene (erste) Gliederung kritisch anschaust. Passt sie wirklich zur Zielgruppe? Bevor du anfängst, sie zu überarbeiten, solltest du zunächst einen kritischen Blick auf deine bisherigen Recherchen und Vorarbeiten werfen. Bist du aktuell? Musst du nachrecherchieren? Sind neue Titel zum Thema erschienen?

Als nächstes überprüfe bitte kritisch den Aufbau und die Gliederung deines Buches. Dafür ist es hilfreich, wenn du zunächst deine zentralen Thesen und Ziele aufschreibst. Denke daran, nichts ist langweiliger als ein Buch, das seine Thesen schon in der Einleitung komplett vorstellt. Warum sollte ich es denn dann weiterlesen? Ordne zentrale Thesen und Ziele den einzelnen Kapiteln zu. Mach es konkret: Schreibe sie in der Gliederung hinter die Überschriften. So kannst du leicht überprüfen, ob du die Thesen langsam entwickelst und einen Spannungsbogen baust. Achte zudem auf einen logischen Aufbau.

Nachdem du die Hauptüberschriften der Gliederung festgelegt hast, geht es ans Feintuning der Kapitel. Notiere all das, was du in dem jeweiligen Kapitel schreiben willst – Interviews, Zitate, Thesen, Gedanken, Bildmaterial etc. – unter der Überschrift. Denke daran, dass du nicht versuchst, alles im Buch unterzubringen, was du weißt! Aus diesen Notizen heraus entwickelst du nun, genauso wie bei der Gliederung, das Storyboard der Kapitel. Achte auch hier auf den Aufbau und den Spannungsbogen. Damit dies gelingt, formuliere zunächst nur die wichtigen Thesen/Inhalte.

Passt der Argumentations- und Spannungsbogen, solltest du die Planung anschließend so kleinteilig wie möglich anlegen – diese Struktur wird dir das Schreiben nachher enorm erleichtern. Achtung: Überprüfe hierbei, ob du alle Quellen, Bilder, Skizzen etc. vollständig notiert und korrekt zitiert hast. Arbeite hier notfalls nach – erfahrungsgemäß ist es später schwieriger.

Los geht’s – die Angst vor dem weißen Papier

Die Gliederung steht, alle Vorarbeiten sind gemacht. Die Dokumentenvorlage im Textverarbeitungsprogramm ist eingerichtet. Es gibt keine Ausrede mehr. Und eigentlich neigst du auch nicht zur Aufschieberitis. Aber jetzt – wie beginnen? Drei bewährte Tricks können dir helfen, die Angst vor dem leeren Papier zu überwinden.

Trick 1: Hab nicht den Anspruch, ein „gutes Buch“ zu schreiben! Dieser hochgesteckte Anspruch würde dich wahrscheinlich lähmen. Plane lieber ein spannendes, oder ein interessantes, oder ein persönliches Buch zu schreiben – niemals aber ein gutes. Das wird es später dann schon von ganz allein!

Trick 2: Beginn einfach zu schreiben. Mach dir keine Gedanken über den Erzähleinstieg und auch zunächst wenige bis keine über Formulierungen. Arbeite zunächst ganz „dröge“ sprachlich die Inhalte ab. Das Feilen beginnt später und wird auch erst möglich, wenn schon etwas zum Bearbeiten da ist. So entwickelt sich das Rohmanuskript fast wie von selbst.

Trick 3: Um dies noch zu unterstützen, setz dir ein Tages- oder Wochenlimit für das Anzahl der Seiten, wie: „Ich schreibe jeden Tag fünf Seiten.“ Versuche, dieses Pensum einzuhalten. Und rechne mal, so kommt schon in einem Monat der Umfang von zirka 150 Seiten zusammen! Tipp: Im ersten Schritt geht es darum, textliche Masse zu produzieren. Plane also nicht mit zu wenige Seiten. Auf Basis dieser Planung kannst du nun die Zeit bis zur Abgabe gut einteilen. Rechne für das Feintuning pro Kapitel mindestens nochmals eine Woche ein – und für Änderungen und Ideen weitere zwei Monate. Auch die Endkorrektur solltest du mit einem Monat einplanen.

Guter oder richtiger Stil – gibt es das überhaupt?

Ganz einfach – hier gibt es nicht richtig oder falsch! Wichtig ist, dass du deinen Stil entwickelst und ihn auch durchhältst. Das Feilen und Werkeln am Text beginnst du am besten erst, wenn du die erste Rohfassung des Manuskriptes geschrieben hast. Zuvor musst du aber Entscheiden: Schreibst du aus der Ich-Perspektive? Oder lieber ein wenig „unpersönlicher“?

Untersuch zur Orientierung die Bücher etwas genauer, die du gerne liest. Hier kannst du dir in Sachen Stil viel abschauen. Es fällt mir schwer, dir nun zu sagen, was du tun oder nicht tun sollst, aber ein paar Hinweise möchte ich dir doch geben.

Was du nicht tun solltest

1. Vermeide Füllwörter. Die klassischen Füllwörter sind hier, dort, so etc. Tipp: Alle Wörter, die du in einem Satz entfernen kannst, ohne dass der Sinnzusammenhang verloren geht, kannst du ruhig streichen.

2. Baue einfache Sätze. Denke bitte nicht, dass ein komplizierter Satzbau Ausdruck von Intellektualität sei. Alle Leser werden dir danken, wenn du verständliche Sätze formulierst.

3. Nutze Fremdworte, Fachbegriffe und Anglizismen stilgerecht. Aber übertreibe es nicht. Auch hier: weniger ist mehr.

4. Vermeide den so typisch deutschen Nominalstil. Wenn du willst, dass deine Leser dich verstehen, nutze aktive Formulierungen und konkrete Verben. Zum Beispiel: Statt „Ich verwende als Beschreibung…“ klingt „Ich beschreibe“ deutlich angenehmer.

Auf den letzten Metern – das (fast) fertige Manuskript

Endlich bist du einmal durch. Hast die erste Rohfassung überarbeitet und stilistisch herumgefeilt. Eigentlich bist du nun fertig, oder? Leider muss ich dich enttäuschen, denn nun beginnt die wirkliche Kärrnerarbeit des Lektorierens und Korrigierens. Warum das so ist? Nachdem du vielleicht zehn bis zwölf Monate über dem Text gebrütet hast, bis du nun total betriebsblind. Wiederholungen, fehlerbehaftete Argumentationen, sich durchziehende orthografische Fehler, unvollständige Zitate …. Du wirst dich wundern, was anderen nun auffällt. Plane für diese Arbeit mindestens einen Monat Zeit ein. Und starke Nerven, denn eigentlich hattest du ja gedacht, du seiest fertig. Aber keine Bange, auch diese letzte Hürde schaffst du. Und dann endlich kannst du dein Buch beim Verlag abgeben. Gratulation!

 

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