Filmkritik: Stiller Kamerad

Pferdegestützte Therapie kann traumatisierten Bundeswehrsoldaten helfen, wo andere Therapieformen an ihre Grenzen stoßen. Wie, zeigt dieser Dokumentarfilm. Entstanden ist ein sehr persönliches Portrait zweier Soldaten und einer Soldatin, ihres Kampfes gegen die Posttraumatische Belastungsstörung und den Weg zurück ins Leben.

Mandy, Oliver und Roman sind Bundeswehrsoldaten, die Auslandseinsätze in den Kriegsgebieten Kosovo und Afghanistan absolviert haben. Alle drei leiden aufgrund der grausamen Dinge, die sie dort gesehen und erlebt haben, seit ihrer Rückkehr unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und haben große Schwierigkeiten ihren Alltag zu bewältigen. Während Klinikaufenthalte und herkömmliche Traumatherapien ihnen nicht helfen, zeigt ihnen Claudia Swierczek (Traumatherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie/systemische Therapie) zusammen mit ihren Pferden ganz neue Möglichkeiten und Ansätze, sich dem Trauma zu nähern und an dessen Bewältigung zu arbeiten. Trotz anfänglicher Skepsis erleben die drei Soldaten die Therapie mit den Pferden als äußerst heilsam.

Persönliche Einblicke in die drei Schicksale  

Leonhard Hollmann ist nicht nur der Regisseurs des Films, sondern übernahm auch die Rolle des Kameramanns. Als stiller Beobachter ohne Team hat er die Therapie der drei Soldaten dokumentiert. Dadurch entstanden sehr persönliche Interviews, in denen Mandy, Oliver und Roman schildern, wie es zu ihrer Traumatisierung gekommen ist, welche Folgen damit verbunden sind und wie belastend es sein kann, wenn die eigenen Moralvorstellungen mit den Anweisungen von Autoritäten konkurrieren. Die Interviews wechseln sich ab mit Ausschnitten aus Therapieeinheiten der drei Soldaten und Hintergrundinfos von Claudia Swierczek über ihre Arbeit mit dem Pferd als Co-Therapeut.

Pferde spiegeln unser Inneres

Claudia Swierczek

Fokus auf Einsatz von Metaphern

Der besondere Fokus der Darstellung liegt hier auf dem symbolischen Charakter der Übungen am und mit dem Pferd. Mit Hilfe dieser Metaphern, schaffen es Mandy, Oliver und Roman, Zugang zu ihren Gefühlen, ihren eigenen Grenzen und unbewussten Prozessen zu erhalten. Auch die Sensibilität der Pferde für – nach außen – nicht sichtbare Unsicherheiten der Soldaten ist bemerkenswert. Die unterschiedlichen Charaktere der Tiere, die einem im Laufe des Films ans Herz wachsen, spiegeln die individuellen Persönlichkeiten der Menschen wider.

Auch das informelle Setting auf dem Hof in freier Natur trägt maßgeblich dazu bei, dass die drei Soldaten sich mehr und mehr öffnen, über ihre Probleme sprechen und lernen, mit Hilfe des Pferdes als “Kamerad” ihre Probleme zu überwinden.

Daneben wird auch die Finanzierungsproblematik dieser Therapieform dargestellt. Wie so viele andere Verfahren auch ist die pferdegestützte (Trauma-)Therapie leider nicht von den Krankenkassen anerkannt und muss in den meisten Fällen durch die Betroffenen selbst finanziert werden, obwohl die drei Protagonisten übereinstimmend berichten, dass sie in der Therapie mit Claudia Swierczek mehr Fortschritte gemacht haben, als bei den anderen Therapien, die sie durchliefen.

Für Laien und Fachpublikum sehenswert

Für Fachleute aus den Bereichen Psychotherapie, Beratung und Coaching wäre sicherlich ein umfassender Überblick über die sehr vielseitigen Methoden und Anwendungsfelder dieser Therapieform sehr interessant gewesen. Dieser wird hier nicht geboten, was aber auch nicht der Anspruch des Films ist. “Stiller Kamerad” gibt einen authentischen Einblick in einige spezifische Methoden der pferdegestützten Therapie bei PTBS-Patienten und richtet sein Hauptaugenmerk eher auf die persönlichen Geschichten der drei Soldaten sowie einzelne Ausschnitte aus deren Therapien. Trotzdem ist der Film nicht nur für Laien, sondern auch für das Fachpublikum interessant, um einen ersten Einblick in die pferdegestützte Therapie zu bekommen.

3 x 2 Freikarten zu gewinnen

Ab 7.2.2019 läuft “Stiller Kamerad” in den deutschen Kinos. Und auch diesmal konnten wir wieder einige Freitickets ergattern! Wenn du den Film also selber sehen möchtest, dann nimm doch an unserem Gewinnspiel hier teil.


Was du tun musst? Beantworte uns bis Freitag (8.2.), 12 Uhr per E-Mail an info@psylife.de diese Frage:
Welche Rolle übernahm der Regisseur Leonhard Hollmann für den Film ebenso?

ACHTUNG: Der Film läuft nur in ausgewählten Kinos. Eine Terminliste findest du hier: www.stillerkamerad.de (genaue Spielzeiten bitte bei den jeweiligen Kinos erfragen).
Bitte schicke uns deinen Wunschtermin und deinen Namen. Im Falle eines Gewinns lassen wir zwei Karten dann direkt in deinem Wunschkino für dich hinterlegen. Wählbar sind alle Vorstellungen ab Sonntag, 10.02.2019.

Viel Glück!

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