Selbstmanagement im Homeoffice: Produktivität und Wohlbefinden steigern
Das Arbeiten im Homeoffice hat Vorteile und ist eine wertvolle Ressource. Wie gelingt es, beim Arbeiten in den eigenen vier Wänden produktiv zu bleiben, ohne das eigene Wohlbefinden zu vernachlässigen? Dieser Beitrag gibt dir 5 praktische Tipps für dein erfolgreiches Selbst- und Zeitmanagement im Homeoffice als Coach:in oder psychologische Berater:in.
Kennst du diese Situation?
Ich sollte heute endlich diese unangenehme E-Mail schreiben. Ein wichtiges Angebot ist auch noch nicht fertiggestellt. Doch halt, die Spülmaschine muss ausgeräumt werden und im Online-Magazin steht noch ein spannender Artikel. Außerdem habe ich heute Morgen ein richtiges Motivationstief und bin vielleicht später besser in Schwung. Der Termin für das Angebot ist auch erst nächste Woche, also bleibt noch genug Zeit …
Selbstmanagement: Den beruflichen Alltag zu Hause aktiv gestalten
Das Arbeiten im Homeoffice oder mobiles Arbeiten unterwegs ist angenehm und modern. Die Arbeit von zu Hause aus hat aber auch negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden, z. B. durch Technikstress oder Multitasking-Anforderungen. Die größten Herausforderungen sind Entgrenzungen durch die fehlende Trennung von Beruf und Privatleben, das Wegfallen äußerer Strukturen und mangelnde soziale Kontakte.
Gelungenes Selbstmanagement im Homeoffice bedeutet, diese besonderen Herausforderungen des Arbeitens in den eigenen vier Wänden aktiv zu meistern. Gefordert sind unter anderem die Fähigkeit eigene Ziele zu erreichen, ein effektiver Gebrauch der Zeit, Umgang mit Ablenkungen und Selbstmotivation.
Die Fähigkeit, sich selbst zu führen, ist erlernbar. Diese fünf Tipps helfen dir, effizienter zu arbeiten, Stress zu reduzieren und deine Energie gezielt einzusetzen – für mehr Zufriedenheit und Erfolg im Homeoffice.
1. Strukturiere deinen Arbeitstag
Erstelle am Beginn deines Arbeitstages einen klaren Tagesplan, aber plane bewusst Pufferzeiten ein. Setze dir realistische Ziele und vermeide Überlastung. Ein klarer Start- und Endpunkt des Arbeitstags hilft, Arbeit und Freizeit zu trennen. Definiere feste Arbeitszeiten und halte dich daran. Rituale wie ein kurzer Spaziergang vor Arbeitsbeginn signalisieren deinem Gehirn: „Jetzt beginnt mein Arbeitstag.“ Lege ein klares Ende fest, z. B. durch das Schließen des Laptops und ein kurzes Resümee des Arbeitstages.
2. Setze klare Prioritäten und nutze Strategien gegen das Aufschieben
Nicht jede Aufgabe ist gleich wichtig. Nutze Tools wie die Eisenhower-Matrix, um Aufgaben zu nach Dringlichkeit und Wichtigkeit zu priorisieren, unwichtige Aufgaben zu delegieren oder zu streichen. Aufgaben werden in vier Felder eingeteilt:
- wichtig und dringend (sofort erledigen),
- wichtig, aber nicht dringend (planen),
- dringend, aber nicht wichtig (delegieren) und
- weder dringend noch wichtig (streichen).
So kannst du dich auf das Wesentliche konzentrieren.
Kennst du die Pareto-Regel? 80 % deiner Ergebnisse kommen aus 20 % deiner Tätigkeiten. Identifiziere diese 20 % – z. B. Kernangebote oder Netzwerkpflege – und plane diese Aufgaben als Erstes in deinen Tag ein. Überlege: Welche wiederkehrenden Probleme bremsen dich am meisten aus? Löse diese zuerst.
Setze Strategien gegen das Aufschieben ein, um selbst gesetzte Ziele zu erreichen. Eine effektive Strategie am Beispiel von oben erklärt:
Definiere deine Aufgabe: „Unangenehme E-Mail schreiben“ und lege ein konkretes Ziel fest: Ich schreibe die E-Mail um 13:30 Uhr nach dem Mittagessen. Die Unterlagen liegen bereit, mein Handy ist in der Schublade und die Türe zum Homeoffice ist geschlossen. Ich stelle mir vor, wie schön das Gefühl ist, wenn die E-Mail abgesendet ist. Ich überlege den Umgang mit Hindernissen (z. B. Postbote klingelt) und ich belohne mich anschließend mit einem schönen Cappuccino und lese mein Online-Magazin.
3. Blocke Fokuszeiten für konzentrierte Arbeitsphasen und Flow-Erleben
Arbeit erfordert Konzentration. Lege ununterbrochene Fokuszeiten, z. B. zwei Stunden am Morgen ohne Störungen, fest. Schalte Benachrichtigungen im Handy oder dein Outlook-Programm aus und kommuniziere deinen Klient:innen, wann du erreichbar bist. So vermeidest du auch Erwartungen an ständige Erreichbarkeit.
Flow entsteht, wenn die Schwierigkeit der Aufgabe deinen Fähigkeiten entspricht. Flow-Erleben reduziert Stress, indem es dich in einen Zustand vollständiger Konzentration und innerer Klarheit versetzt. Wähle klare, kleine Ziele für deinen Tag und minimiere Ablenkungen. Nutze Flow-Erleben für Produktivität und Zufriedenheit.
Oder nutze die Pomodoro-Technik: Arbeite in fokussierten Intervallen (z. B. 25 Minuten Arbeit, 5 Minuten Pause). Diese Methode steigert die Konzentration und verhindert Erschöpfung. Nutze die Pausen für Bewegung oder eine kleine Atemübung.
4. Life-Domain Balance optimieren
Life-Domain Balance bezieht sich auf die Balance verschiedener wichtiger Bereiche deines Lebens, wie Beruf, Privatleben, Elternschaft oder Hobbys. Im Homeoffice besteht die Herausforderung darin, die verschiedenen Lebensbereiche entweder bewusst zu trennen oder im positiven Sinn in Einklang zu bringen. Beispiele für Trennung sind zeitliche Grenzen (Arbeit nicht nach 17 Uhr) oder physikalische Grenzen (eigenes Berufshandy). Halte auch Ausschau nach positiven Interaktionen zwischen den Lebensbereichen: Ein lustiges Spiel mit den Kindern in der Mittagszeit kann auch Kraft geben für die Arbeit im Homeoffice.
5. Regelmäßige Bewegung und soziale Kontakte
Integriere Bewegung in deinen Alltag im Homeoffice: Dehnübungen, kurze Spaziergänge oder eine kleine Tanzeinheit im Wohnzimmer. Plane auch virtuelle Kaffeepausen mit Kolleg:innen ein. Soziale Kontakte wirken Einsamkeitserleben entgegen und sind wichtig für dein soziales Wohlbefinden.
Nutze die Chancen im Homeoffice
Probiere die Tipps aus und passe sie an deine individuellen Bedürfnisse an – so findest du deine persönliche Balance auch beim Arbeiten im Homeoffice!
Zum Weiterlesen
Höcker, A., Engberding, M. & Rist, F. (2017). Heute fange ich wirklich an! Prokrastination und Aufschieben überwinden - Ein Ratgeber. Göttingen: Hogrefe.
Knoblauch, J., Wöltje, H., Hausner, M. B., Kimmich, M., & Lachmann, S. (2019). Zeitmanagement (4. Auflage). Haufe.
Landes, M. et al. (2020). Erfolgreich und gesund im Homeoffice arbeiten. Springer.